In der Knechtschaft des Smartphones

 

Der homo digitalis und sein Smartphone. Immer online, immer erreichbar. Das kleine, praktische Gerät ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es bereichert und erleichtert unser Leben, hilft uns zu kommunizieren und uns zu informieren. Doch viele Menschen befinden sich an der Grenze zur Abhängigkeit. Eine moderne Form der Knechtschaft. Von Anzeichen, Ansätzen und Anti-Yoga.


Schicken wir ein paar Zahlen und Fakten vorweg:

  • Laut der Zeitung „Computerwoche“ besaßen 2015 etwa 63% der Deutschen ein Smartphone. Das sind circa 44 Millionen Menschen.
  • Die PINTA-Studie der Drogenbeauftragten des Bundes im Ministerium für Gesundheit stuft rund 2,5 Millionen Deutsche zwischen 14 und 64 Jahren als „problematische Internetnutzer“ ein. 560.000 gelten als abhängig – eine aus Ärztesicht hohe Zahl.
  • 80 Mal pro Tag aktivieren wir unser Smartphone im Schnitt. Das fanden Forscher der Uni Bonn heraus, die mittels der App „Menthal“ das Handy-Nutzungsverhalten von rund 60.000 Studienteilnehmern analysierten. Das heißt, alle 18 Minuten (!) verfallen wir dem Drang, unser Handy auf neu eingegangene Nachrichten, Anrufe und News zu checken.
  • Insgesamt nutzen wir unser Smartphone knapp drei Stunden pro Tag – davon telefonieren wir nur etwa 10 Minuten. Die meiste Zeit bewegen wir uns in den sozialen Netzwerken.


Wie erkennt man eine Sucht?

Wissenschaftler bezeichnen die Smartphone-Sucht als „Nomophobie“ – abgeleitet aus „No Mobile Phone Phobia“, zu Deutsch „Kein-Handy-Angst“. Sie sind unruhig, nervös, hilflos, fangen gar an zu schwitzen, wenn Sie Ihr Handy vergessen haben oder sich der Akku dem Ende neigt? Sie fühlen sich schuldig und in Erklärungsnot, wenn Sie nicht erreichbar sind? Sie nehmen Phantomklingeln wahr, obwohl Ihr Handy weder summt, noch piepst, noch blinkt? Dann zeigen Sie typische Anzeichen der Abhängigkeit. Handeln Sie...

... denn die Folgen sind bedenklich.

Wir werden ineffektiv.
Wer seine Arbeit ständig unterbricht und sich – wenn auch nur kurz – mit seinem Smartphone beschäftigt, kommt nicht in einen Arbeitsfluss. Keine Konzentration. Keine Produktivität. 

Wir schaden unserer Gesundheit.
Alexander Markowetz – Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn und Mit-Initiator des „Menthal“-Projekts – beschreibt unseren Umgang mit dem Smartphone als Anti-Yoga: "Beim Yoga begibt man sich in eine orthopädisch wertvolle Position und fokussiert den Geist. Beim Smartphone-Surfen nehmen viele Menschen eine orthopädisch absurde Haltung ein und suchen die maximale Zerstreuung.“ Schon 2014 warnte der New Yorker Wirbelsäulenchirurg Kenneth Hansraj vor dem sogenannten „Smartphone-Nacken“. Wer behauptet, mit dem homo errectus wäre das Ende der Evolution erreicht, der irrt also. Von den gesundheitlichen Risiken für unsere Augen ganz zu schweigen...

Wir verlieren den Blick für Reales.
Vor allem in Wartesituationen – an der Bahnstation oder wenn die Begleitung noch nicht im Café eingetroffen ist – wird gewischt, geklickt und geliked. Uns fehlen dadurch kreative Ruhephasen. Und die Muse, einfach mal den Blick schweifen zu lassen. Auf Reales. Im schlimmsten Falle auf unser direktes Gegenüber. Eine Unart des modernen Smartphone-Nutzers.
 

Schnelle Abhilfe

Es gibt sie, die einfachen Tricks, wie wir uns selbst in puncto Smartphone-Nutzung ein Schnippchen schlagen können.

  • Graustufen | Stellen Sie sich den Times Square mal in schwarz-weiß vor. Nicht ganz so attraktiv wie mit Leuchtreklamen und bunt blinkenden Werbetafeln, richtig? Mit Hilfe von Graufiltern wird unser Display langweilig – und das ist auch gut so.
  • Die gute alte Armbanduhr | Statt die Zeit vom Handy abzulesen und dabei „nur mal kurz“ E-Mails, WhatsApp, Facebook, Instagram, das Wetter für den Nachmittag, die Termine für morgen und die Umgebung auf nahende Pokémons zu checken, einfach eine Armbanduhr zulegen (und nutzen!).
  • Noch etwas „gutes Altes“: Besitzen Sie noch einen Wecker? | Wenn ja, bitte wieder rauskramen. Wenn nicht, bitte einen kaufen (und ebenfalls nutzen!). Und damit auch das Smartphone im Raum nebenan zur Ruhe kommt, zu einer festgelegten Zeit abends aus- und erst morgens wieder einschalten.
  • Tabuzonen | Richten Sie Orte ein, an denen das Smartphone nichts zu suchen hat, z.B. bei Tisch oder im Schlafzimmer. Im Lanserhof arbeiten wir mit dem durch uns geprägten Konzept des digital detox. Mit Hilfe einer Elektrosmog-Freischaltung ist es unseren Gästen möglich, sich ganz vom digitalen Dunst abzuschotten.
  • Offline-Zeiten | Auch beim automatischen Blick auf das Handy werden im Offline-Modus keine Neuigkeiten angezeigt. Nebenbei spart er Energie. Definieren Sie fixe Offline-Zeiten z.B. mittels Offline-App. Klingt paradox. Aber funktioniert.
  • Das Wichtigste zum Schluss: Besinnen Sie sich auf echte Werte | Lassen Sie Ihr Handy beim Treffen mit Freunden und Familie in der Tasche. Eine reale Person geht immer vor. Immer.

Und die Moral von der Geschicht’? Lesen Sie sich einfach noch einmal den letzten Punkt der vorangegangenen Aufzählung durch...