Zucker

 

Woher kommt sie eigentlich, unsere Gier nach Süßem? Schon Babys lässt man bei Impfung oder Blutentnahme zur Beruhigung an einem Glukose-Lolli lutschen. Und siehe da: ratzfatz ist der Schmerz vergessen. Zweitens schmeckt den meisten Menschen Süßes einfach gut. Und drittens aktiviert Zucker das Belohnungssystem im Gehirn. Schokolade macht also wirklich glücklich. Kurzfristig. 

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft macht Zucker nicht direkt süchtig, wie z.B. Nikotin. Jedoch löst Zucker im Gehirn Belohnungsreaktionen aus, die zu suchtähnlichem Verhalten führen können. Soll heißen: man weiß, dass es schadet, schafft es jedoch nicht dem Zuckerkonsum zu entsagen. Und es werden nach und nach immer größere Portionen Zucker nötig, um die gleichen Reaktionen im Gehirn auszulösen. Startschuss für ein im wahrsten Sinne des Wortes „fettes“ Problem: Denn vor allem der Konsum zuckerhaltiger Getränke wird in Studien mit Übergewicht assoziiert. Da sind Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht mehr weit.

 

Wie entkommt man der Spirale?

Um die Zuckersensoren in unserem Körper einem Reset zu unterziehen, braucht es Zeit. In der Regel dauert es etwa acht Wochen, um sich den Zuckerkonsum abzugewöhnen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – gehen Sie mit Gelassenheit an die Sache. Leichter fällt die Entwöhnung zudem, wenn man sich mit Gleichgesinnten zusammentut.

 

Im Wesentlichen gibt es zwei Optionen, die Entwöhnung anzugehen: Kalter Entzug oder sukzessive Reduktion.

Die radikale Methode besteht im rigorosen Verzicht auf all das Zuckerhaltige, wonach uns im alltäglichen Leben gelüstet: sei es das gesüßte Müsli am Morgen, der Fruchtsaft im Wasser oder die Schokolade vor dem Fernseher. Die anfängliche Sehnsucht wird groß sein, jedoch gewöhnt sich der Körper daran und das Verlangen nach Zucker lässt peu à peu nach.

Oder Sie gehen den Kampf gegen den Zucker auf sanftere Art und Weise an. Reduzieren Sie nach und nach die Menge Zucker im Kaffee. Verzichten Sie auf Fruchtjoghurts aus dem Kühlregal, sondern gehen Sie auf Naturjoghurt über, den Sie mit Früchten und Honig verfeinern – mit der Zeit immer weniger. Wenn Sie nicht auf Schokolade verzichten können, kaufen Sie eine Tafel mit höherem Kakaoanteil, jedes Mal ein paar Prozent mehr.

Ist das Verlangen nach etwas Süßem groß, trinken Sie einfach mal ein Glas Wasser. Sie werden erstaunt sein, dass oft ein ganz simpler Grund dahintersteckt. Nämlich Durst. Gelüstet es Sie nach zehn Minuten immer noch, bereiten Sie sich einen gesunden Snack zu: ein paar Nüsse, ein Stück Käse oder eine halbe Avocado.

Wenn Sie ein Gewohnheits-Nascher sind – der Klassiker ist hier wohl die Schokolade vor dem TV-Gerät am Abend –, putzen Sie sich die Zähne, bevor Sie sich auf der Couch niederlassen.

Machen Sie sich zudem schlau: In welchen Lebensmitteln ist Zucker eigentlich enthalten? Zutaten sind auf Lebensmittelverpackungen in absteigender Reihenfolge aufgeführt, die mit dem größten Anteil stehen also an erster Stelle. Entsprechend splitten die Hersteller den Überbegriff „Zucker“ auf. Denn Zucker hat viele Namen und versteckt sich hinter Bezeichnungen wie z.B. Saccharose, Fruktose, Glukosesirup, Dextrose, Süßmolkenpulver, Laktose, Maisstärke, Maltodextrin und vielen mehr.

 

Wie steht es um die Alternativen?

Zucker-Alternativen gibt es reichlich. Doch wer glaubt, mit dem Griff zur Zucker-Alternative würde man seiner Gesundheit automatisch etwas Gutes tun, der irrt zumeist.  

Das Naturprodukt Honig hat viele wertvolle Inhaltsstoffe, viel kalorienarmer als Industriezucker ist er jedoch nicht.

Xylit, auch bekannt als Birkenzucker, hat etwa 40% weniger Kalorien als Haushaltszucker, er beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht so sehr und schadet den Zähnen nicht. Jedoch wird er aus finanziellen Gründen oft nicht aus Holzzucker, sondern aus Abfällen von (mitunter genmanipulierten) Maiskolben gewonnen. Auch wird Xylit in größeren Mengen verzehrt häufig nicht gut vertragen.

Stevia ist ein Zuckerersatzstoff, der aus Süßkraut gewonnen wird. Die Liste der Vorteile klingt vielversprechend: Keine Kalorien, kein Angreifen der Zähne, kein Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Jedoch enthält Stevia auch sonst nichts Wertvolles. Da bleibt – dazu noch im wahrsten Sinne – ein bitterer Nachgeschmack.

Der in Handarbeit aus Kokospalmenblüten gewonnene Kokosblütenzucker enthält zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Mit einem Kilopreis von bis zu € 40 ist er jedoch auch sehr teuer. Kokosblütenzucker soll den Blutzuckerspiegel nicht so sprunghaft ansteigen lassen wie handelsüblicher Zucker. An repräsentativen Studien zu diesem Effekt mangelt es momentan aber noch.

Last but not least greifen immer mehr Verbraucher auf Dicksäfte zurück, am bekanntesten darunter wohl der Agavendicksaft. Pluspunkt: Mineralstoffe und Spurenelemente bleiben aufgrund des zur Herstellung angewandten Vakuumverfahrens größtenteils vorhanden, jedoch sind sie reich an Fruchtzucker, Fruktose. Eine Dauerlösung ist Agavendicksaft daher nicht, denn ein zu hoher Fruktosekonsum kann auf lange Frist gesundheitsschädlich sein: Er kann die Blutfettwerte ansteigen lassen und in einer Fettleber resultieren.

 

Wie gefährlich ist Zucker wirklich? Unser Tipp: „That Sugar Film“. Für seinen informativen und äußerst unterhaltsam verpackten Dokumentarfilm konsumierte Regisseur Damon Gameau jeden Tag fast 160 Gramm Zucker – ohne mehr Kalorien als zuvor zu sich zu nehmen. Die Folge: Gewichtszunahme und schlechte Leberwerte. Ein sehenswerter und hochinteressanter Film über das süße Gift.