Die Heilkraft des Atmens

Tag für Tag atmen wir ein und aus, von morgens bis abends. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Die moderne Hochleistungsgesellschaft schafft zunehmend hohe Stresspotentiale und überreizt unsere nach außen gerichteten Sinne. In hektischen Situationen wissen wir manchmal nicht, wo uns der Kopf steht und oft hilft nur noch eines: tief durchatmen. Schon nach ein paar Atemzügen sind wir entspannter und wir sind in der Lage klare Gedanken zu fassen. Doch warum ist das so? Wie lässt sich die Atmung bewusst steuern und warum kann sie entscheidend für unsere allgemeine Lebensqualität sein?

Ohne Atem kein Leben – er begleitet uns von unserer ersten Stunde an bis zum Ende unseres Lebens. Der Atem ist da, wenn wir morgens aufwachen und wenn wir abends schlafen gehen, ob wir ihn gerade bewusst wahrnehmen oder nicht. Er ist die Verbindung zwischen Körper und Psyche, denn er reagiert auf körperliche Veränderung wie auch auf psychische Zustände: So wird der Atem schneller, wenn wir rennen; er reagiert aber auch mit Beschleunigung oder Stocken, wenn wir uns freuen oder erschrecken. Das Besondere an der Atmung ist, dass wir sie im Gegensatz zu allen anderen Funktionen des vegetativen Nervensystems bewusst steuern können. Denn wir können mal schneller oder mal langsamer atmen, die Luft anhalten oder den Atem gezielt in den Brustkorb oder in den Bauch fließen lassen – den Rhythmus des Herzklopfens dagegen können wir nicht direkt steuern.
Von Geburt an entwickeln wir einen natürlichen Atem, einen persönlichen Atemrhythmus. Dieser verändert sich im Laufe unseres Lebens beständig mit unserer Persönlichkeit und unseren Erfahrungen. Doch oftmals machen wir mit unserer natürlichen Art zu atmen mehr falsch als richtig. Denn durch vermehrten Stress, bei dem sich unbewusst die Körperhaltung ändert, wird die Atmung eher oberflächlich, flach, unrhythmisch und zu hoch (Brustkorbatmung).
Das Atemmuster wird durch Haltungsänderungen beeinflusst, da der Schwerpunkt des Körpers verloren geht und so zu einer Tonus-Veränderung im Körper führt. Bei hoher Stressbelastung oder unerwarteten Situationen geht die gesamte Blutkraft in die Peripherie, da der Körper signalisiert bekommt, sich für ein Gefahrenmoment oder für eine Flucht vorzubereiten. Darüber hinaus können Stresssituationen dazu führen, dass wir unseren „klaren Verstand“ verlieren.
Doch es gibt Wege und Möglichkeiten, wie Sie in solchen Momenten ihr Gleichgewicht durch die richtige Atmung wiederherstellen können. Dazu schauen wir uns gleich die Besonderheiten der Nasenatmung an und zeigen Ihnen dazu ein paar Übungen.

Atemübungen für den Alltag

Wissenschaftliche Tests belegen, dass sich über 30 positive Auswirkungen auf den Körper nur durch Nasenatmung einstellen können. Denn z.B. werden bei der Atmung durch die Nase die Nasenschleimhäute belüftet und so die Luft angewärmt. Damit wird ein Gas entwickelt, welches uns ermöglicht 10 – 15 % mehr Sauerstoff in die Zellen aufzunehmen. Außerdem fungiert die Nasenatmung als direkter Filter und ist sterilisierend, antibakteriell und antiviral.
Es gibt verschiedene Techniken der Nasenatmung, spannend ist z.B. die Wechselatmung die auch beim Yoga angewendet wird. Atmet man gezielt durch die linke Nasenhälfte ein, wird die rechte Hemisphäre mehr aktiviert und damit die Kreativität gefördert. Wenn wir durch die rechte Nasenhälfte einatmen, verlagert sich der Schwerpunkt mehr auf die linke Hemisphäre. Ziel ist die Synchronisation beider Nasenhälften und somit beider Gehirnhälften, um den Zustand echter Präsenz zu erzielen. Mit dem Zurückkehren zur normalen Nasenatmung kommt es dann zu einer vertieften Bewusstseins-Wahrnehmung. Achten Sie darauf ruhig zu atmen und wiederholen Sie das Ganze einige Male für ein emotionales Gleichgewicht.
Bewusstes Atmen – z.B. mit der oben beschriebenen Atemübung – ist zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich. Das macht die Atemtherapie zu einem idealen Helfer im Alltag, um Beschwerden zu lindern, Entspannung und Achtsamkeit zu erhöhen, die Konzentration zu steigern und stressige Situationen zu meistern. Schon ein tiefes Seufzen hin und wieder sorgt für eine Komplettbelüftung der Lungen und kann helfen Stress abbauen.
Für mehr Ruhe in stressigen Zeiten kann eine Bauchatmung sorgen. Dabei werden die Arme für fünf bis zehn Sekunden während des Einatmens im Sitzen seitlich nach oben geführt und beim sanften Ausatmen langsam wieder heruntergenommen. Am Ende der Bewegung legen Sie die Hände auf den Bauch und warten auf den nächsten Atemzug. Diese Übung füllt die Atemräume mit Luft und kann bei regelmäßiger Anwendung den Stoffwechsel fördern, das Herz entlasten und so für mehr Entspannung sorgen.
Eine weitere Übung ist die Konzentration auf das linke Nasenloch. Diese kann z.B. – nach dem Essen ausgeübt – die Verdauung anregen: Halten Sie dafür das linke Nasenloch mit dem Daumen für ein paar Atemzüge zu und atmen Sie durch das rechte Nasenloch ein. Dabei wird der Vagusnerv angeregt und die Verdauungstätigkeit wird unterstützt.

Noch mehr spannende Fakten zum Atmen hören Sie In unserem Podcast mit Hannes Brandl:

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