Podcast Folge 16 – Die Wirkung und Bedeutung von Meditation

Die Wirkung und Bedeutung von Meditation

Fragen die aktueller sind als jemals zuvor: Wie stärke ich mein Immunsystem und meine Gesundheit? Wie gehe ich mit Stress um und verbessere meinen Schlaf? Christian Fein ist Meditationslehrer am Lanserhof und erklärt uns in dieser Folge, wie Meditation funktioniert, welche wichtigen Prozesse in unserem Körper und Kopf dadurch unterstützt werden und wie einfach es ist loszulegen.



Meditationsanleitung

Mit einer kleinen Bonusfolge möchten wir euch außerdem den Einstieg in die Meditation vereinfachen. Christian Fein wird euch hierfür anleiten, probiert es aus und schenkt euch selbst eine kleine Auszeit. Wir wünschen euch viel Spaß dabei!

Transkription der Folge

00:01:04
Speaker 1: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Ich bin heute hier mit Christian Fein im Gespräch. Christian Fein ist bei uns der Experte am Tegernsee für das Thema Meditation. Hallo Christian! Hallo lieber Nils! Ich möchte mit dir heute mal über das Thema Meditation sprechen und ich möchte insbesondere einmal ganz kurz deinen Hintergrund hören. Wie bist du denn eigentlich zum Meditieren gekommen?
00:01:31
Speaker 2: Ja, das war eigentlich wirklich Zufall.
00:01:32
Speaker 1: Hätte mir vor 15 Jahren jemand von Meditation erzählt, hätte ich wahrscheinlich einen süffisantes Lächeln auf dem Gesicht gehabt. Mein Hintergrund ist, dass ich sehr lange in einer Unternehmensberatung und in der Berater-Branche und dann später auch als Geschäftsführer eines Unternehmens in Deutschland, England und Holland gearbeitet habe. Ich war teilweise auch sehr viel im Ausland unterwegs, habe sehr viel in Asien, in Nordamerika, in Südamerika gearbeitet und hatte eigentlich das Leben eines klassische Unternehmensberaters. Das heißt 80 bis 90 Arbeitsstunden pro Woche, drei bis 400000 Flugmeilen pro Jahr. Und das hat natürlich ganz massiv sowohl an meiner Physis als auch an meiner Psyche gezerrt und zu einem echten Erschöpfungszustand geführt. Und das war dann so ein bisschen die Situation, wo ich gedacht habe, naja, jetzt habe ich wirklich alles probiert und Meditation habe ich eigentlich ehrlicherweise immer für Quatsch gehalten. Jetzt kann ich über genau diesen Quatsch auch mal ausprobieren. Weil zu verlieren habe ich eh nichts mehr. Und ich wurde nicht nur eines Besseren belehrt, sondern da hat sich plötzlich eine ganz neue Tür geöffnet, die mich wirklich ganz fundamental unterstützt hat, auch da wieder in die eigene Balance zu kommen.
00:02:56
Speaker 1: Und heute hast du es zum Beruf gemacht.
00:02:59
Speaker 1: Und dann habe ich es zum Beruf gemacht. Genau das war so ungefähr vor zwölf, dreizehn Jahren, dass ich das für mich entdeckt habe. Ich habe das dann sehr intensiv betrieben. Das heißt, ich habe immer wieder auch zehn Tage Schweige-Retreats gemacht und hab mich dann natürlich auch fortgebildet. Und seit ungefähr zehn Jahren leite ich andere Menschen in Meditation an, unter anderem natürlich auch im Lanserhof, was mir sehr viel Freude bereitet.
00:03:27
Speaker 1: Wenn man jetzt mal ganz einfach erklären möchte, was man unter meditieren versteht. Wie würdest du es runterbrechen?
00:03:35
Speaker 1: Fangen wir mal oder versuchen wir, es mal relativ kurz zu fassen jetzt ohne den philosophischen Kontext. Was ich so an Rückmeldung oftmals von Gästen, von Klienten auch bekomme, ist, dass viele denken, es ist eine Entspannungsübungen oder etwas ähnliches. Das ist es aber eigentlich nicht. Was Meditation im Kern ist, zumindest jetzt für die Leute, die damit beginnen, ist eigentlich eine Aufmerksamkeits-Fokussierungsübung. Also im Grunde genommen geht es eigentlich erst mal im ersten Schritt darum, überhaupt präsent zu sein und wirklich auch wahrzunehmen, wo ich eigentlich mit meiner Aufmerksamkeit bin. Unser Gehirn ist so strukturiert, dass wir einfach, um Energie zu sparen und das macht durchaus Sinn, ungefähr 90 Prozent des Tages, 80 Prozent des Tages in dem sogenannten Default Mode Network arbeiten. Das heißt, wir sind auf Autopilot und sehr viele Sachen automatisch passieren, also ein bisschen keine Entscheidungen treffen. Wir müssen uns nicht anstrengen. Das macht durchaus von der Energieeffizienz her Sinn. In anderen Situationen macht es aber weniger Sinn. Der erste Schritt ist, wirklich präsent zu sein und zu sagen: Okay, wo bin ich jetzt eigentlich gerade mit meiner Aufmerksamkeit? Der zweite Schritt wäre dann, und das ist schon ein ziemlich großer Schritt und auch ein sehr entscheidender, dass ich im Grunde genommen in der Lage bin, mich von meinen Gedanken und vielleicht auch von meinen Gefühlen ein Stück weit zu distanzieren und ein Stück weit Abstand zu nehmen, damit ich sie beobachten und wahrnehmen kann. Und das ist eigentlich die Grundvoraussetzung, um überhaupt handlungsfähig zu sein und etwas verändern zu können. Und der dritte Schritt ist dann wirklich aus seiner Aufmerksamkeit ganz bewusst steuern zu können. Die Frage ist ja immer, worauf ich mich gerade fokussiere. Es ist jetzt hilfreich oder ist es nicht hilfreich und wenn es nicht hilfreich ist, mich auf was anderes zu fokussieren und meine Aufmerksamkeit darauf zu richten.
00:05:41
Speaker 1: Das ist wirklich sehr interessant, weil wenn man so große Unternehmer wie einen Bill Gates zum Beispiel, also Menschen, die wirklich viel geschaffen haben,
00:05:49
Speaker 1: wenn man sie fragt, was ihr Geheimnis des Erfolges war, hört man ja sehr häufig, dass es Fokus war, dass sie im Grunde sich einfach wirklich auf Dinge fokussiert haben und dadurch im Grunde groß Karriere gemacht haben. Also im Grunde genommen eigentlich das, was man immer denkt - Meditation, da hab ich keine Zeit für, das ist im Grunde eigentlich, an der falschen Stelle gespart. Was die Zeit betrifft.
00:06:13
Speaker 2: Absolut, Nils. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Es gibt ein sehr schönes Buch von Cal Newport, das kann ich nur jedem empfehlen, das heißt Deep Work. Da geht es darum, wie man eigentlich wirklich fokussierte Arbeit leistet. Natürlich empfiehlt er auch Meditation als einen der Punkte. Aber das, was er sagt, was ich sehr interessant fand, und das würde ich auch so unterschreiben: Aufmerksamkeit ist in unserer schnelllebigen Welt und in dieser Welt, in der wir leben, mit den vielen, vielen Ablenkungen wirklich ein ganz rares Gut gewesen oder geworden.
00:06:50
Speaker 1: Und wird künftig wirklich ein Erfolgsfaktor sein - war es schon immer, aber es wird eben noch viel mehr in den Vordergrund treten. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Aspekt, da in der Lage zu sein, sich wirklich fokussieren zu können.
00:07:08
Speaker 1: Wenn wir jetzt mal auf das gesundheitliche Thema kommen wir sind ja ein Gesundheits Podcast, was würdest du sagen, sind die Top Wirkungen, die die Meditation auf die Gesundheit hat.
00:07:21
Speaker 2: Wow, da bräuchten wir einen halben Tag.
00:07:27
Speaker 1: Okay, ich fange mal mit einem der Punkte heran, die aus meiner Sicht am wichtigsten sind.
00:07:36
Speaker 1: Ich glaube, da würde niemand widersprechen, dass einer der wichtigsten Faktoren für deine sowohl psychische als auch physische Gesundheit, Schlaf ist. Schlaf hat eine ganz, ganz fundamentale Wirkung. Und wenn ich das mal so über die letzten 10 Jahre Revue passieren, mit den vielen Klienten, die ich im Coaching hatte, wäre jetzt so meine Einschätzung, 65 Prozent ungefähr hatten Schlafprobleme. Und das auch mit ganz, ganz massiven Folgen. Ich nenne nur mal drei Punkte, also eine Sache, die, die im Schlaf passiert ist, dass der Abstand zwischen den Synapsen sich weitet und das Gehirn mit Flüssigkeit durchgespült wird und Plaque und Giftstoff auch auszuspülen. Das ist wirklich eine ganz wichtige physische Funktion. Das Zweite, was im Schlaf passiert ist, ist ein sogenanntes Memory Processing. Das heißt Inhalte, Erlebnisse, Gelerntes vom Tag wird vom Kurzzeitspeicher in den Langzeitspeicher übertragen. Das sind zwei ganz, ganz wesentliche Aspekte. Der Dritte, und da sind wir auch bei dem Thema Erfolg. Und zwar ist es im wahrsten Sinne des Wortes so, dass in der Nacht, wenn man schläft und träumt, so kleine Mini Explosionen im Gehirn stattfinden, die im Grunde genommen neue Verknüpfungen schaffen, die vorher nicht da gewesen sind. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Aspekt. Ein anderer ganz, ganz wichtiger Aspekt, eher auch in psychologischer Hinsicht ist, das ist mittlerweile gut dargelegte - und ich bin immer sehr vorsichtig mit Studien, aber das ist gut dargelegt: Es gibt so viele Fälle mit Burn out, was nur ein Modewort ist, es ist keine Diagnose oder aber auch Depression und anderen Erkrankungen in der heutigen Zeit - es nimmt stetig zu. Aber es ist erwiesen, dass Meditation nicht nur gute Prävention ist, um sich davor zu schützen, sondern dass es auch ein gutes unterstützendes Mittel ist, um aus solchen Phasen, solchen Belastungszuständen, sehr viel schneller wieder rauszukommen. Dann hat es auch körperliche Wirkung. Der Stresslevel wird reduziert. Die Gleichung, und das gilt ja gerade jetzt auch für die aktuelle Zeit, ist ja relativ einfach Angst und Unsicherheit erzeugt Stress, Stress erzeugt Cortisol, Cortisol schwächt das Immunsystem.
00:10:06
Speaker 1: Und das brauchen wir im Augenblick so dringend.
00:10:10
Speaker 1: Das brauchen wir ganz, ganz dringend. Absolut. Und das ist auch relativ gut belegt, dass Meditation ja wirklich ein ganz hervorragendes Mittel ist mit keinerlei negativen, ganz im Gegenteil nur positive Nebenwirkungen, was nicht nur den empfundenen Stresslevel, sondern wirklich auch auf körperlicher Ebene den Stresslevel reduziert. Das heißt die Aktivität der Amygdala, das ist unser Stress Zentrum als auch die Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin und Noradrenalin, Cortisol, Acetylcholin etc.
00:10:44
Speaker 1: Wenn ich mich mit dem Thema dann grundsätzlich erst einmal auseinandersetzte, habe ich das Gefühl, dass Meditation nicht gleich Meditation ist. Gibt es da verschiedene Arten?
00:10:56
Speaker 1: Es gibt im Buddhismus zwei große Linien, kann man sagen, dass einer ist Mahayana, das andere ist Hinayana. Bei dem einen hängen verschiedene Meditationensschulen, darunter Zen, Rinzai, Soto etc. Bei dem anderen ist es nur die Vipassana Meditation, und das ist nur eine ganz persönliche Präferenz, ist jetzt auch im Wesentlichen meine Praxis.
00:11:25
Speaker 1: Ich würde das aber gerne auf einer höheren Ebene leicht unterscheiden und jetzt nicht so sehr aus dieser buddhistischen Perspektive betrachten. Es gibt im Moment ja zahlreiche Angebote, und die, sage ich mal übertragung der Meditation in den Westen ist ja eigentlich MBSR. Es ist in den Siebzigerjahren durch Jon Kabat Zinn Kapazitiven passiert.
00:11:49
Speaker 1: Wofür steht MBSR?
00:11:53
Speaker 1: Mindfulness based stress reduction. Das ist so die westliche Adaption. Das macht auch wirklich Sinn, weil es, glaube ich, die Meditationspraxis für Menschen im Westen annehmbarer gestaltet hat. Ohne diesen ganzen philosophischen Hinterbau. Es gibt aber daneben natürlich, auch wenn man sich gerade mal so umschaut, ganz, ganz viele Angebote. Und ich würde eine wesentliche Entscheidung treffen. Und das ist: Es gibt im Grunde eine Einsichtsmeditation, also eine Meditationsform, wo ich nach innen schaue und auch etwas über mich und meine inneren Prozesse und Abläufe lerne. Und es gibt eher eine Aussichtsmeditation, wo ich mich auf ein anderes Objekt fokussiere. Und das kann alles Mögliche sein. Das können Geräusche sein. Es können auch Mantren sein etc. Beides hat seine Berechtigung. Wobei ich schon eher zur Einsichtsmeditation tendiere.
00:12:51
Speaker 1: Weil neben dem Faktor, dass sie wirklich auch natürlich die Aufmerksamkeits Fokussierung trainiert und übt, lerne ich eben etwas über diese inneren Prozesse. Ich gebe dir ein Beispiel: Einer dieser inneren Prozesse wäre, und es geht mir nach zehn Jahren selbst mit intensiver Meditation Praxis noch so, dass dieses Geschnatter im Kopf niemals aufhören wird. Aber das geht mal hoch und dann ebbt es wieder ab, und dann geht es wieder hoch und dann ebbt es wieder ab und einfach zu beobachten auf eine etwas distanzierte Art und Weise, dass das einfach, was ist, das ständig läuft, ich aber nicht hinhören muss, ist zum Beispiel so ein Lerneffekt. I
00:13:43
Speaker 2: c h kann seh gut verstehen, was du meinst. Sowohl was das Schnattern im Kopf betrifft, als auch das bewusste nicht hinhören wollen. Es ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Wenn ich das jetzt mal üben möchte, Meditation. Wie fange ich an? Wie übe ich Meditation?
00:13:59
Speaker 1: Am Anfang macht es, glaube ich, schon Sinn, dafür geführte Meditation zu nutzen, um einfach an eine gute Einführung und eine gute Anleitung zu haben. Das, was ich immer wieder von ganz vielen Personen, Gästen, Klienten höre, ist, dass viele sehr schnell aufgeben, weil sie sagen, ich schaffe es nicht, meine Gedanken zu stoppen, oder ich kann nicht aufhören zu denken. Nochmal ganz, ganz wichtig: Das ist wirklich nicht der Sinn von Meditation und das wird auch niemals funktionieren. Wir würden uns auch nicht darüber beschweren, dass unsere Lunge atmet. So ist unser Kopf dafür gemacht zu denken, der denkt einfach, und es passiert auch von ganz alleine. Also bitte sich da nicht nur nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern wirklich freundlich mit sich selbst umgehen und sagen Okay! Der Kopf darf weiterdenken, hier geht es erst einmal um etwas anderes. Mit einer positiven Haltung reinzugehen. Das zweite, was ganz, ganz wichtig ist, ist eher klein anzufangen und dann langsam aufzubauen, anstatt sich von vornherein zu überfordern. Also wirklich, so die Taktik der kleinen Schritte und die Taktik der positiven Erlebnisse. Damit ich einfach so eine Aufwärts Spirale reinkomme. Und ansonsten braucht man eigentlich nicht viel. Man muss jetzt keine Hilfsmittel und Utensilien bestellen. Das reicht einfach, sich auf einen Stuhl zu setzen. Was Sinn macht, ist, sich wirklich aufrecht und gerade hinzusetzen, sich eine gute Meditation Anleitung, eine seriöse, vor allem auch raus zu suchen. Ich würde immer Abstand davon nehmen, wenn Versprechungen dahinter stecken, wie fünf Minuten Meditation für Erfolg im Job oder die gute Partnerschaft. Das macht keinen Sinn, weil es gibt keine buddhistische Meditationspraxis, keine traditionelle inklusive MBSR, das so machen würde. Also sich eine gute Meditationsanleitung zu suchen und einfach zu beginnen und nichts so sehr auf ein Ziel zu schauen. Also nicht zu sagen, hier gibt's jetzt was zu erreichen, sondern sich wirklich eher auf den Prozess zu orientieren. Selbst mir nach zehn Jahren ist, es gibt immer noch Tage, wo ich auch auf dem Kissen sitze - also ich habe jetzt natürlich mittlerweile eins, und manchmal nach zehn Minuten, denke Warum mache ich den Quatsch her? Ich habe viele, viele andere Sachen heute zu tun. Ich habe gar nicht die Zeit. Eigentlich würde ich jetzt am liebsten aufstehen. Das macht eh alles keinen Sinn. Und da wirklich einfach nicht hinzuhören, weiterzumachen, dabei zu bleiben und sich wirklich auf diesen Prozess zu fokussieren.
00:16:48
Speaker 2: Ja ich fand des ganz interessant, ich habe beim letzten OMR-Festival auch den Yuval Harari live erleben können, der ja eine von diesen vielen Bestsellern wie, ich glaube das erfolgreichste war Homo Deus geschrieben hat. Und der hat, glaube ich, gesagt, dass er zwei bis vier Stunden jeden Tag meditiert, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Also auf jeden Fall wirkt das für mich wie eine absurd lange Zeit. Aber auch da muss man sagen, dass er völlig außer Frage, sehr erfolgreich ist, weltweiter Bestsellerautor, und selbst Barack Obama ist überzeugter Fan von ihm, das gibt ihm ja auch recht.
00:17:23
Speaker 2: Also wenn ich mich richtig entsinne, macht er, glaube ich, auch wie Vipassana.
00:17:28
Speaker 1: Ich weiß es nicht ganz genau. Also diese Vipassana Retreats sehen zum Beispiel so aus, dass du zehn Tage lang wirklich ein Schweige-Retreat hast und im Schnitt zehn bis zwölf Stunden am Tag meditierst.
00:17:45
Speaker 2: Gibt es eine gute Tageszeit, zu der man meditieren sollte? Würdest du da irgendwie jemandem empfehlen mache lieber morgens oder abends. Oder ist das völlig individuell?
00:17:55
Speaker 2: Es gibt ganz gute Erfahrungen, aber am Ende des Tages ist individuell. Und ich sage mal Hauptsache, die Menschen tun es - egal zu welcher Tageszeit.
00:18:08
Speaker 1: Und auch so, dass es natürlich in ihren Tagesablauf reinpasst. Aber die Erfahrung, die Beobachtung sagt eigentlich am sinnvollsten ist es grundsätzlich, morgens zu meditieren. A ist das Kopfkino noch nicht so stark am Laufen, das ist ein ganz wesentlicher Aspekt, und B gehe ich ganz anders in den Tag rein, in der Psychologie nennt man das priming. Meine Gedanken, wie ich in den Tag rein gehe, sind einfach ganz anders gebahnt. Positiver, gelassener, vielleicht auch ein bisschen ruhiger, mit kühlem Kopf. Ich würde immer empfehlen, morgens zu machen, mit einer ganz, ganz wichtigen Ausnahme und das ist wenn jemand Schlafprobleme hat. Ich habe das ja genug ausgeführt: Schlaf ist wirklich immens wichtig für die psychische und physische Gesundheit. Und wenn jemand Schlafprobleme hat, sind gerade die ersten zwei Wochen der Meditationspraxis - das ist bei mir zum Beispiel so gestaltet, dass ich immer den Buddies oder die Buddies Kernmeditation als leichten Einstieg auch empfehle. Das wirklich als letzte Aktion des Tages zu machen, am besten schon, wenn man im Bett liegt. Und das hat sich in den letzten Jahren wirklich als eines der mit Abstand besten Hilfsmittel erwiesen, wenn es darum geht, die Schlafqualität deutlich zu erhöhen.
00:19:37
Speaker 1: Würdest du sagen, dass es Menschen gibt, die wirklich gar nicht meditieren können?
00:19:49
Speaker 1: Naja, außer Menschen, die jetzt wirklich ganz massive psychologische Probleme haben oder Krankheitsbilder, kann jeder Meditation machen und ich würde sogar einen Schritt weiter gehen: Jeder sollte zumindest mal Meditation ausprobiert haben. Ich konnte jetzt zum Beispiel auch gerade meine Tochter, letztes Jahr war es erst, davon überzeugen, die gerade im Studium ist, die dann wiederum auch Kommilitonen von ihr überzeugt hat: Es unterstützt dich einfach in allen Bereichen. Wenn man jetzt im Studium zum Beispiel Reden oder Arbeiten hat, auch hier diesen Fokus zu behalten, diese Aufmerksamkeit zu haben, über längere Strecken hinweg auch wirklich konzentriert arbeiten zu können, aber genauso auch in all diesen anderen Bereichen. Deshalb kann ich es wirklich nur empfehlen, es auszuprobieren, und es ist für jeden hilfreich.
00:20:42
Speaker 2: Welche Bedeutung hat denn der Atem?
00:20:46
Speaker 1: Atem hat eine ganz, ganz wichtige Bedeutung, weil der Atem und Atemübungen sehr effizient ist und sehr probates Mittel sind, um adhoc und akut ganz, ganz schnell aus dem Stress rauszukommen. Und ich habe immer so mein Sprüchlein - insbesondere wir Männer sind ja alle noch so ein bisschen in diesem "Indianer, kennen keinen Schmerz Syndrom."
00:21:17
Speaker 2: Atemtechnik benutzen zum Beispiel auch die Navy Seals. Und die sind jetzt nicht gerade als Streichelzoo bekannt. Weil du dich ganz schnell aus dem Stress herausholt. Und zwar darüber, dass der Atem direkten Einfluss auf die Herzratenvariabilität hat. Das heißt den Abstand zwischen den Herzschlägen, der damit rhythmisiert wird. Und das Herz ist energetisch eines der stärksten Organe im Körper. Das dann auch wieder dem Gehirn signalisiert, dass es im Grunde genommen jetzt wieder den Stresslevel runterfahren kann. Und damit wird die Hormon Ausschüttung dann wieder reduziert. Gleichzeitig hat die Amygdala, das hatte ich vorhin nicht gesagt, die nicht so schöne Eigenart, dass sie so viel Energie zieht, dass im präfrontalen Kortex nicht mehr viel ankommt, also das, was ich brauche, um klar zu denken, ist. Also es ist so ein ganzer Kreislauf von Dingen. Atemtechnik und ich mache das ganz, ganz oft mit Klienten, auch am Lanserhof, mit einem direkten Feedback über die Messung der Herzratenvariabilität. Das dauert zwei bis drei Minuten, bis sich die Herzratenvariabilität rhythmisiert und die Menschen dann zwei, drei Minuten später wirklich deutlich entspannter, also auch erlebt, deutlich entspannter sind.
00:22:33
Speaker 1: Wir sind ja im Augenblick alle in einer gewissen Unsicherheit, weil das Schlimme an dieser ganzen Corona-Krise ist, dass keiner weiß, wann das Ende kommt. Es sind so viele Unsicherheitsfaktoren letztendlich dabei. Gibt es von deiner Seite jetzt Tipps im Hinblick auf die Meditation, wo du sagst, okay damit kann man im Grunde eigentlich besser zu seinem inneren Ich wieder zurückfinden, oder das sollte man jetzt machen.
00:23:01
Speaker 2: Du meinst außer dem Tipp, sofort zu starten? Wie gesagt, die Gleichung ist ganz einfach und gehen wir jetzt mal von der primären Ebene Coronavirus aus. Das Beste, was man im Moment für sich tun kann, ist natürlich zum einen, sich zu schützen, die Regeln einzuhalten, aber zum anderen eben wirklich zu schauen, dass das Immunsystem in einem guten Zustand ist. Da spielen verschiedene Faktoren natürlich rein von Ernährung über Schlaf, aber eben auch Meditation.
00:23:37
Speaker 1: Das wäre sicherlich ein ganz, ganz wichtiger Aspekt. Das andere ist, da wird es vielleicht jetzt schon ein bisschen philosophisch, als auch, dass wir natürlich ein bisschen verlernt haben, in dieser technisierten Welt mit Angst und Ungewissheit umzugehen. Professor Gigerenzer vom Max-Planck-Institut nennt es mal so schön Die Illusion der Gewissheit. Das finde ich einen sehr schönen Ausdruck. Das ist wirklich eine Illusion, und die ist gerade innerhalb von wenigen Tagen zerplatzt. Jetzt kann man natürlich zwei Sachen machen. Wir können weiter im wahrsten Sinn des Wortes danach hecheln, illusionäre Sicherheiten aufzubauen. Oder wir können lernen, mit Unsicherheit umzugehen. Dafür ist Meditation, glaube ich, ein sehr, sehr geeignetes Mittel, wirklich mit diesen Unsicherheiten, Ängsten besser umzugehen. Indem ich mich einfach davon distanziere und wirklich ganz genau schaue, was kann ich jetzt verändern? Was kann ich beeinflussen, was kann ich kontrollieren? Und das dann auch zu tun. Aber genauso auch bei dem, was wir nicht kontrollieren können und nicht, was wir nicht beeinflussen können, nicht unsere Energie zu verschwenden und vor allem natürlich auch nicht in dieses Grübelkarussell reinzukommen. Das tun ja viele. Mark Twain hat es mal so schön gesagt: I am an old man and have known a great many troubles, but most of them have never happened. Wir verlieren uns ganz, ganz oft in diesem Grübelkarussell und schädigen damit nicht nur unsere Gesundheit, sondern verschwenden auch unsere Energie. Und zu lernen, durch Meditation auch aussteigen zu können, Abstand zu gewinnen, das glaube ich im Moment ein ganz, ganz wichtiger Aspekt, sowohl für die für die psychische als auch für die mentale Stabilität.
00:25:28
Speaker 2: Ich würde sagen, es war ein ausgesprochen gutes Schlusswort. Es gibt eine kleine Bonus Folge für unsere Hörer. Du hast dich bereiterklärt, nochmal eine kleine Kostprobe der geführten Meditation zu geben, die man jetzt hier auch in diesem Podcast finden kann. Also nicht in dieser Folge, sondern als zusätzliche Folge, wo du dann mal einen kleinen Einstieg in die Meditation gibst. Für alle, die davon nicht genug bekommen können, gibt es auch eine App von Christian Fein, die heißt Mind.Mind, sowohl Apple als auch bei Android verfügbar, mit seinem acht Wochen Programm, wovon die ersten zwei Wochen kostenlos sind. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Sehr zu empfehlen, weil es sowohl die Atmung als auch das, du sagst Qigong. Ich sage Qigong - gibt es richtig oder falsch?
00:26:19
Speaker 1: Ich glaube nicht.
00:26:22
Speaker 1: Das ist wie Chinesisch und Chinesisch wahrscheinlich. Von daher ist das auch sehr zu empfehlen.
00:26:29
Speaker 1: Ansonsten bedanke ich mich für das sehr interessante Gespräch.
00:26:32
Speaker 1: Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich bei dir, Nils. Jetzt hat wirklich Spaß gemacht.
00:26:39
Speaker 1: Wie geht es denn dir persönlich mit der ganzen Homeoffice und Corona-Situation? Es ist schon auch schwierig, aber eher im Moment schwierig, weil so viel zu tun ist. Das ist echt ein Thema, das es plötzlich von allen Seiten kommt und natürlich diese Themen jetzt auch eine ganz andere Bedeutung gewinnen. Du, schade, ich bin jemand, der gerne rausgeht und Freunde trifft. Klar fehlt es. Auf der anderen Seite bin ich es auch gewohnt. Ich habe es ja gesagt, ich bin es auch gewohnt 10 Tage mal mit gar niemandem zu reden. Es ist okay. Es ist aber natürlich eine schlimme Situation für viele im Moment. Das bereitet mir mehr Sorgen.

Empfohlener Inhalt