Rasend schleichende Zeit

Man kann sie nicht besitzen, doch sie zu haben, ist eines unserer unschätzbarsten Güter: Zeit.

Laut Albert Einstein ist Zeit „das, was man an der Uhr abliest.“ Eine legitime Definition für unseren Alltag, in dem wir Zeit nutzen, um unser Leben zu regeln. Doch ein wirkliches Gefühl dafür, Zeit objektiv einschätzen zu können, haben wir nachgewiesenermaßen nicht.

Wie wir Zeit wahrnehmen, ist abhängig von der Perspektive. Zum einen gibt es da die Zeit, die im Moment wahrgenommen wird, zum anderen die Zeit der Erinnerung. Experten betiteln dieses Phänomen als sogenanntes „subjektives Zeitempfinden“. Wie wir innen empfinden, wird von außen maßgeblich bestimmt.

Dabei handelt es sich bei der subjektiven Wahrnehmung von Zeit um eine ausgesprochen paradoxe Angelegenheit. An einem 08/15 Arbeitstag vergeht die Zeit oft nur schleppend, im Rückblick ging die routinemäßig verbrachte Zeit dann hingegen oft recht rasch vorüber. Im Urlaub hingegen fliegt die Zeit nur so an uns vorbei – jedoch können uns die Tage in der Fremde rückblickend als schier endlos erscheinen.

Eine israelische Forscherin hat letzteren Effekt genauer untersucht: Touristen kamen dabei vor allem die ersten Ferientage – geprägt von neuen Eindrücken – in der Retrospektive als besonders lange vor. Die letzten Tage, in denen sie dagegen gerne wieder in Routinen verfielen, erschienen den Urlaubern als viel kürzer. Soll heißen: Wenn wir Neues erleben, vergeht die Zeit für den Moment sehr schnell. Wenn wir uns im Nachhinein an all diese Ereignisse zurückerinnern, kommt uns die Zeit aufgrund der Fülle der Ereignisse und Impressionen jedoch als sehr lang vor. Entsprechend funktioniert der Effekt in Bezug auf die Rest-Urlaubszeit vice versa.

Und was für die Ferien gilt, gilt genauso für unser ganzes Leben: Mit zunehmendem Alter werden wir weniger offen für Neues. Und genau hier müssen wir ansetzen. Wer das Gefühl loswerden möchte, dass die Zeit davonrast, sollte öfter mal neue Dinge ausprobieren. Denn je mehr Neues – und vor allem Emotionales – wir erleben, desto länger wirkt ein Zeitraum in der Retrospektive. Also: Seien Sie aktiv, seien Sie mutig, seien Sie offen, und Sie verlängern Ihr Leben – zumindest subjektiv.

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